Meine Taufe

Heute feierten wir Gottesdienst. Heute ist Quasimodogeniti. Der Sonntag im Kirchenjahr, der übersetzt so viel bedeutet wie: Wie die neugeborenen. Ganz im Zeichen der Taufe steht dieser Sonntag im Kirchenjahr. Und wie schön war es dann auch, dass meine Frau im Gottesdienst ein Kind taufen konnte. Es war eine wundervolle Taufe und auch eine schöne Predigt. Die gesamte Situation erinnerte mich sehr an meine eigene Taufe:

Ich hatte mich zusammen mit unserem Großkind taufen lassen. Es war im April vor drei Jahren. Wir hatten um meine Taufe kein großes Brimborium gemacht. Manche unserer Gäste wussten nicht einmal, dass auch ich an dem Tag getauft werden würde. Ich hatte schon sehr lange mit dem Gedanken gespielt mich taufen zu lassen, aber war mir immer unsicher. Für mich fühlte es sich immer falsch an. Falsch in der Hinsicht, dass ich vielleicht noch nicht bereit bin für die Taufe. Das ich, nicht vollends überzeugt von den vielen Wundergeschichten der Bibel, unter all den gläubigen Christ*innen fehl am Platz wäre. Kurzum: ich zweifelte lange, ob ich bereits den Punkt erreicht hätte, an dem ich mich taufen lassen “darf”.

Für die gemeinsame Taufe hatten wir uns an die Pfarrerin gewandt, die auch meine Frau und mich getraut hatte. Sie hatte unsere Trauung damals wundervoll begleitet. Stand in all den Gesprächen immer an unserer Seite und wir fühlten uns rundum wohl mit ihr. Darum war klar: die Taufe solle sie durchführen. Sie lud mich zu einem Taufvorbereitungskurs ein und wir telefonierten auch noch einmal ausführlich kurz vor der Taufe. Ich schilderte ihr meine Zweifel, meine Sorgen und meine Unsicherheit. Ihre Reaktion war wundervoll. Sie schenkte mir die nötige Sicherheit indem sie mir eins mit auf meinen Weg gab: Die Taufe muss nicht am Ende einer Reise stehen, sie kann und darf auch den Start dieser Reise markieren. Ich fand diese Worte so beruhigend und freute mich auf meine eigene Taufe.

Wie oben geschrieben, hatten wir den Fakt, dass auch ich und nicht nur Großkind getauft werden wird, kaum kommuniziert. Sie sollte im Mittelpunkt stehen. Ich freute mich zwar auf meine eigene Taufe, hatte aber nicht die Erwartung, dass etwas ganz großes passieren würde. Doch ich irrte mich gewaltig und mag jetzt vielleicht gleich ein bisschen esoterisch klingen – was ich aber überhaupt nicht bin. Der Taufgottesdienst schritt voran und ich wurde vor meiner Tochter getauft. Meine eigene Taufe war sehr bewegend und wurde natürlich wundervoll von unserer Pfarrerin gemacht. Das Unglaublichste war für mich aber, dass ich nicht nur am Tag selbst, sondern auch an den kommenden Tagen ein Gefühl kompletten Glücks und größtmöglicher Glückseligkeit spürte. So als hätte mich die Göttin geküsst. Ich war beschwingt und fröhlich und fühlte mich sicher und geborgen. Es fühlte sich so an, als würde ich von einem hellen Licht bestrahlt werden.

Ich weiß nicht, wer oder was über uns wacht, aber ab diesem Moment war ich mir sicher: irgendetwas ist da. Irgendeins ist da. Und sie liebt uns.