Die Eroberung der Leere

Heute war ich das dritte Mal in der neuen “Heimat” zu Besuch. Ich wollte, nachdem wir nun auch offizell dorthin entsandt wurden, die Schlüssel zu unserem Pfarrhaus abholen und auch einmal schauen, wie weit die Renovierungsarbeiten waren. Mit dem Regio Berlin verlassend begrüßte mich Brandenburg zunächst mit jede Menge Nebel. Im Ort angekommen war der Weg zum Gemeindebüro schnell eingeschlagen, bevor die Feuchtigkeit des Nebels sich unter meiner Jacke breit machen konnte. Die Atmosphäre des Ortes erinnerte mich sogleich an andere Orte. Oft musste ich an Liverpool denken, eine meiner großen städtischen Lieben, denn es herrscht jede Menge Leere. Leere, die aber auch viel Potenzial besitzt. Leere, die erobert werden will.

Bald schon kam ich im Gemeindehaus an und mit dem Schlüssel im Gepäck ging es weiter zum Pfarrhaus, wo ich auch gleich sehr herzlich empfangen wurde. Die Leute sind wirklich sehr, sehr nett! Die Bauarbeiten im Haus sind in vollem Gange, überall sind kahle Wände – ähnlich wie in den Szenekneipen Neuköllns oder Moabits – und die letzten offenen Kabelschächte wurden noch verspachtelt. Bald werden die Wände frisch gemalert, die Dielen der Böden neu abgeschliffen und ein Bad eingebaut.

Heute erschien das Haus nicht mehr ganz so fremd, es versprühte jede Menge Energie, wollte erobert werden und vor allem sehnt es sich nach Leben. Ich konnte mir schon vorstellen, wie gemütlich, wie schön, wie kreativ wir es dort bald haben werden. Und die Gemeinde gibt sich schon jetzt, bei der Renovierung des Hauses, jede Menge Mühe. Unsere Ankunft wird sehnlichst erwartet. Und so langsam kann auch ich es nicht mehr erwarten, dass wir diese vielen Räume, die Gemeinde und die Stadt für uns erobern.