Mein Beitrag zur Demo #gegenKinderarmut

Am Samstag den 12.5.2018 findet in Berlin die Demo gegen Kinderarmut statt und jeder von euch, der Zeit hat, sollte dabei sein!

Los geht es am 14 Uhr am Neptunbrunnen beim Alexanderplatz und von dort läuft die Demo in Richtung Brandenburger Tor. Mehr erfahrt ihr drüben bei Mama arbeitet.

Und warum ich euch das sage? Weil es euch etwas angeht!

Armut ist zum Glück etwas, auf das ich nur noch zurückblicken kann und G*tt sei dank

[contact-form][contact-field label=”Name” type=”name” required=”true” /][contact-field label=”E-Mail ” type=”email” required=”true” /][contact-field label=”Website” type=”url” /][contact-field label=”Nachricht” type=”textarea” /][/contact-form]

bin ich nicht mehr davon betroffen. Als Kind war ich es. Mit der Wende verlor meine Mutter ihren Job in einer Großküche. Sie war alleinerziehend mit 3 Kindern. Wir wohnten in einer Platte in Frankfurt (Oder) und wenn der Heizboiler ausfiel, und das kam immer mal vor, dann musste man warmes Wasser für die Badewanne auf dem Herd erhitzen. Ein paar Männer kamen und gingen, einer ließ dabei sogar den Fernseher mitgehen, und meine Mama arbeitete in Bars hinter dem Tresen. Die Arbeitszeiten waren also perfekt, wenn man drei Kinder zuhause hat. Der Job versprach natürlich auch nicht viel Geld. Vorgelesen wurde mir zu der Zeit nicht mehr. Vereine? Bibliotheksbesuche? Irgendeine Art von Förderung? Gab es nicht. Mein großer Bruder passte auf meine große Schwester und mich auf.

Irgendwann kam ein Mann, durch den wir nach Mecklenburg-Vorpommern kamen (das zählt nicht als sozialer Aufstieg, oder?) und im Alter von ca. 12 Jahren fuhren wir damit auch zum ersten Mal als Familie in den Urlaub. Mit dem Wohnwagen. 50 km weiter. An einen See zum Zelten. Immerhin! Ich fand es schrecklich und wäre dann doch lieber wieder zur Oma gefahren, wie wir es sonst in den Sommerferien immer gemacht haben.

Irgendwann war der Mann weg. Zum Glück. Aber dann war meine Mama wieder alleinerziehend und arbeitete wieder in einer Bar.

Mein Bruder machte seinen Realschulabschluss und durfte einfach kein Abitur mehr machen, denn es brauchte dringend noch jemanden in der Familie, der ein wenig Geld nach Hause bringen musste. Also begann er eine Ausbildung und drückte Geld ab.

Die Bildungschancen schwinden durch Armut. Bei meinem Bruder habe ich es sehen können. Er hätte problemlos das Abitur gemacht und ganz bestimmt auch studieren können. Aber es ging nicht.

Irgendwann kam ein neuer Mann. Und er blieb. Und es kehrte ein wenig mehr Ruhe und soziale Sicherheit ein. Familienurlaube gab es trotzdem niemals.

Aber diese soziale Sicherheit ermöglichte mir dann auch das Abitur zu machen und zu studieren, als erster in meiner Familie. Und trotzdem fällt mir immer auch wieder auf, wie viel Bildungshintergrund mir an manchen Ecken und Enden fehlt, weil niemand da war um ihn mir zu geben. Meine Mama musste ja arbeiten, wenn ich zuhause war.

Viele andere Kinder haben nicht diese Glück, das wir, meine Geschwister und ich, in irgendeiner Form noch hatten, da wir einander hatten. Für die vielen Kinder, die in Armut aufwachsen, müssen wir auf die Straße gehen. Und für die Alleinerziehenden, die kaum wissen, wie sie die nächste Rechnung bezahlen können, Jobs mit furchtbaren Arbeitszeiten annehmen müssen und dann nicht so für ihre Kinder da sein können, wie sie es gerne wollen. Und sei es nur, um eine Geschichte vorzulesen.

Darum: am kommenden Samstag den 12.5.2018 kommt ihr bitte alle zum Neptunbrunnen nach Berlin! Mein Vergangenheits-Ich wäre euch sehr dankbar.