Tag 3: Apple/cross.

Heute feiere ich Bergfest. Im doppelten Sinne. Zunächst bin ich jetzt seit 2,5 Tagen in Schottland und noch 2,5 Tage bleiben mir hier alles aufzusaugen. Und dazu gehört auch: Berge zu überqueren. Und da hatte ich heute ein wundervolles Erlebnis: ich bin über den Applecross gefahren. Wobei, ich weiß nicht einmal, ob der Berg so heißt. Aber ich nehm es einfach mal an.

Der Tag begann mit einem Full English Breakfast in meinem Bed & Breakfast. Zum Glück war das Bad heute immer frei, wenn ich denn mal rein wollte. So kam ich dann auch pünktlich zum Frühstück. Gegen 9 Uhr brach ich dann mit dem Auto auf. Ich startete in Melvich bei Thurso und wollte nach Advasar auf der Isle of Skye. Wenn man direkt mit dem Auto fahren würde, bräuchte man 4h 20min, aber ich bin hier auf einem Roadtrip!

Also fuhr ich die Küste weiter in Richtung Westen. In den Highlands gibt es die Route 500. Es soll in etwa das schottische Äquivalent zu der Route 66 sein. 500 deswegen, weil die gesamte Route 500 Meilen lang ist. Ich habe sie nicht komplett gemacht, aber von den 500 Meilen habe ich bestimmt gute 400-450 Meilen abgehakt mit der Fahrt gestern und heute. Und ich kann euch sagen: jede einzelne Meile hat sich gelohnt! Ich fuhr durch karge Landschaften, entlang traumhafter Küsten und steiler Klippen. Die Straße teilte ich mir mit schottischen Tarnschafen (Fotos muss ich leider nachreichen.. das WLAN…), den Highland-Rindern, zwei Hirschen und vielen anderen Reisenden. Solche atemberaubenden Landschaften, wie sie mir auf dieser Fahrt vor allem heute geboten wurden, habe ich noch nicht gesehen. Ich kam aus dem Staunen und dem Fluchen vor Glück gar nicht mehr raus. Ich hätte alle 50 Meter anhalten können um noch ein Foto und noch ein Foto und noch ein Foto zu machen. Aber dann wäre ich heute nie angekommen und außerdem regnete es bis um 16/17 Uhr in Strömen!

Fotos machte ich abwechselnd mit meiner Kamera (ein 55mm-Objektiv lohnt sich nicht so richtig um diese ausufernden Landschaften festzuhalten…), dem iPhone oder dem iPad und vor allem letzteres mag von außen betrachtet idiotisch aussehen, aber dieser Sucher!!! Wenn das WLAN hier tadellos funktionieren würde, könnte ich euch jetzt mit Fotos von Landschaften beschmeißen. Geht aber nicht. Zum Glück für euch! Aber ich hole das allerspätestens am Montag in Glasgow nach.

Nachdem ich dann so vor mich hin fuhr und dachte, dass ich nun wirklich alles gesehen habe, tauchte Applecross (so heißt auch der Ort dort am Berg) auf. Zunächst kam ich angefahren und aus der Ferne sah ich das kleine Örtchen entlang einer Bucht liegen. Dieses wundervoll blau schimmernde Wasser, Sonnenschein (der Regen war vorbei!) und unendliche Weite machten diesen Anblick malerisch. Und dann fuhr ich weiter und kam zum Anstieg in Richtung Applecross (des Berges). 2 Hinweisschilder zu Beginn des Anstiegs versprachen Spannung: 1. Keine Wohnwagen erlaubt. Die Straße muss also eng und knifflig sein. Yeah! 2. Im Winter ist die Straße gesperrt, da sie bei Eis und Schnee unpassierbar ist. Doppel-yeah!
Also fuhr ich los. Und es ging wirklich immer weiter rauf auf den Berg. Es war karg und windig und kalt und Wolken zogen direkt an mir vorbei. Ich konnte sie nahezu anfassen! Ich musste aussteigen und das genießen! Es war so herrlich. Weit und breit keine Menschenseele und ich da auf diesem Berg. Von Wolken geküsst und vom Wind durchgepustet stand ich da oben. Und im Hintergrund klingelte die Alarmanlage meines Autos… ich hätte das Fenster schließen sollen, bevor ich das Auto abschloss. 😉
Nachdem ich durchgepustet war, fuhr ich mit dem Auto weiter und kam zum nächsten Highlight. Das Tal, durch das ich wieder nach unten gelangen würde, lag zu meinen Füßen. Die Straße schlängelte sich nach unten und von dort, wo ich im Auto stand, konnte ich mich einfach nicht an diesem Anblick sattsehen. Es war so schön!
Ich fuhr weiter und weiter und schlängelte mich so ins Tal hinein, bis ich wieder unten war und fuhr dann weiter, noch immer ganz beglückt von diesem Erlebnis. Die letzten 60-90 Minuten lagen vor mir. Ich musste doch noch nach Skye kommen. Also den Fuß fest aufs Pedal und immer schön die Straße im Blick behalten. Vor allem bei den Single Track Roads (also eine Spur für beide Richtungen!), damit man auch rechtzeitig bremst, falls Gegenverkehr kommt.
Ich kam Skye immer näher und als ich gerade über die Skyebridge fuhr, fing die Sonne an unterzugehen. Besser hätte mich Skye nicht begrüßen können, als mit einem wundervollen Sonnenuntergang.
Um Punkt 22 Uhr kam ich dann auch beim wundervollen Bed & Breakfast an. Die Hausinhaberin machte mit mir einen Rundgang und wir quatschten noch kurz über meine Reise. Und dann war ich endlich in meinem sehr gemütlichen Zimmer. Nach 13h auf der Straße.
Jetzt ist es 23:43 und ich wähle gleich noch die Fotos für diesen Beitrag aus und gehe dann schlafen.
Gute Nacht!
P.S. Wenn ihr in Schottland ein Auto mietet: achtet darauf, dass ihr keinerlei Selbstbeteiligung im Schadenfall habt. Ich hatte heute nämlich einen Steinschlag und muss mir jetzt keine Gedanken machen wegen Reparaturkosten. Puh!

Sonnenuntergang auf Skye

Übersicht der Artikel zu meiner Schottlandreise:

Tag 1: Plötzlich Schottland.
Tag 2: 11h on Tour und meine Füße im AKW.
Tag 3: Apple/cross.
Tag 4: Das Wandern auf der Isle of Skye ist des Müllers Lust.
Tag 5: Abschied von Schottland
Meine Reisetipps für Schottland

  1. Pingback: Schottland: Meine Reisetipps – Herr Pfarrfrau

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen