Die Liebe zum Laufen entdecken

Wieso hat es eigentlich so lange bei mir gedauert, bis ich die Liebe zum Laufen entdeckte?

Als ich zur Grundschule in Frankfurt (Oder) ging wollte ich meine sportlichen Erfolge notieren. Ich suchte mir ein kleines Schreibheft und notierte darin: 50m Lauf und meine Zeit. An diesem Tag war ich besonders schnell und wollte mich noch lange daran erinnern. Und Laufen machte mir damals verdammt viel Spaß.

Jahre später, mittlerweile in Berlin lebend, wollte ich joggen. Ein Park ganz in der Nähe sollte meine Laufbahn sein. Es war ein kurzer Lauf im Kreis und nach wenigen Runden bekam ich Seitenstiche. Jedes Mal, wenn ich anfing zu laufen. Nachdem ich es an drei unterschiedlichen Tagen probierte, hörte ich auf.

Im Studium absolvierte ich ein Praktikum und der Berliner Firmenlauf über 5km stand an. Mein Unternehmen machte mit und ich wollte nicht außen vor bleiben. Also lief ich mit. Ich „trainierte“ ein paar Male vorher, aber mehr als 3km schaffte ich nie. Den Firmenlauf habe ich irgendwie überstanden, aber Gott hatte ich Seitenstiche und war danach Ewigkeiten komplett erledigt. Danach lief ich jahrelang nicht mehr.

2015 wollte ich abnehmen. Der Schwangerschaftsspeck musste weg. Ich entdeckte die 7-Min-Workouts für mich. Wochenlang machte ich diese fast täglich, manchmal sogar mehrmals hintereinander. Und dann stand ein Urlaub auf Langeoog an. Eine befreundete Familie war bereits vor Ort und der Mann fragte mich, ob ich auch mal mitjoggen will. Er würde auch nur 2km laufen. Meine Erfahrung mit dem Joggen ließ mich zweifeln, aber letztendlich willigte ich ein. Am nächsten Tag liefen wir und ich kam ohne Seitenstiche an! Durch die 7-Min-Workouts hatte ich scheinbar Kondition aufgebaut und konnte nun immerhin 2km ohne Probleme laufen. Ich war komplett baff und angefixt. In diesem Urlaub lief ich noch so einige Male und hatte dabei immer Spaß und keine Rückschläge zu verzeichnen. Laufen wurde meine neue Leidenschaft. Ich liebte es!

Zurück zuhause lief ich weiter. Aus 2 km wurden innerhalb von wenigen Wochen schnell 5 km, 8 km und letztendlich 13 km. Und dann streikte mein Knie. Es tat weh. Höllisch weh. Ich konnte tagelang nicht mehr richtig Treppen auf und ab steigen ohne extreme Schmerzen zu haben. An Joggen war nicht mehr zu denken.

Ich schonte mich mehrere Wochen. Gefühlt nach einer Ewigkeit versuchte ich es erneut. Aber schon nach kurzer Distanz machte sich mein Knie wieder bemerkbar.

Ich war extrem frustriert. Immer wieder machte ich einige Wochen Pause und versuchte es erneut. Immer mit dem gleichen Ergebnis.

Ich pausierte anschließend monatelang. Im Frühjahr 2016 wollte ich es erneut wissen. Ich wollte es sehr langsam angehen lassen. Ich lief einige Zeit immer nur jeweils 2 km. Das Knie hielt. Also steigerte ich mich langsam und meldete mich sogar für den Halbmarathon in Hamburg an. Ich wollte ein Fernziel haben auf das ich hintrainieren konnte. Ich liebte das Laufen so sehr und wollte nicht ständig zurückgeworfen werden.

Aber auch der erneute Anlauf scheiterte. Bei 4 km war es wieder vorbei. Der Schmerz kam zurück. Der Termin des Halbmarathons kam und ging. Ohne mich.

Ein*e Expert*in musste ich. Ich machte einen Termin zur Laufanalyse und diese ergab: ich brauchte eine Bandage für mein rechtes Knie und außerdem Einlagen. Zudem kaufte ich mir neue Schuhe: Newton Fate (Affiliate Link).

Mit der Bandage, den Einlagen und den Schuhen startete ich erneut. Und es wurde besser. Ich spürte mein Knie ab und zu, aber ich lernte meine Grenzen besser kennen. Ich wusste, wie schnell ich laufen kann um die Belastung in Maßen zu halten. Und mein Knie dankte es mir.

Ich konnte wieder Laufen und ich hatte keine Schmerzen mehr! Seitdem versuche ich regelmäßig 2-3 mal die Woche joggen zu gehen. Rückschläge gibt es noch immer, aber sind eher mit Infekten verbunden. Mein Knie hält und im vergangenen Urlaub habe ich einen 10 km-Lauf auf Langeoog mitgemacht und gut durchgehalten.

Beim Laufen verfolge ich mittlerweile die Run-Walk-Run-Methode nach Jeff Galloway.Die Idee ist, eine bestimmte Zeit zu laufen, dann zu gehen und dann wieder zu laufen und so weiter. Ich laufe derzeit immer 3 min, gehe dann 1 min und laufe wieder 3 min. Diese Technik soll gelenkschonend sein und angeblich sogar zu einer schnelleren Laufzeit führen. Ich bin schnell ein großer Fan dieser Methode geworden. Meine Zeit ist nicht schlechter geworden, aber ich halte länger durch. Und mein Knie dankt es mir auch.

Seit Monaten kann ich das Laufen einfach nur noch genießen. Sei es mit Podcasts auf den Ohren, dem Großkind auf dem Fahrrad an meiner Seite oder alleine mit meinen Gedanken. Ich liebe es!

Der nächste Halbmarathon in Berlin oder Hamburg kommt ganz bestimmt. Dieses Mal nehme ich daran teil und dann sollte ich mein Heft aus Kindheitstagen heraus kramen und endlich einen zweiten Eintrag machen: Halbmarathon gemeistert.

  1. Vieles davon kommt mir sehr bekannt vor (incl. Schwangerschaftsspeck). Ich hatte auch immer wieder Knie- und Schienbeinprobleme bei den Laufversuchen.
    Mir halfen zwei Dinge: ganz langsam mit gehen und laufen beginnen. Heute bin ich auf 6 Min. laufen und 1 Min. gehen im Wechsel. Und noch stärker half der Schuhwechsel. Ich kann nicht mehr in Schuhen mit Dämpfung (=hoher Absatz/Sprengung) laufen, sondern nur in ganz flachen Schuhen. Dann muss ich aber mit dem Vorder- bzw. Mittelfuß aufkommen, um die natürliche Dämpfung des Fußes nutzen zu können. Seither habe ich keine Probleme mehr und meine 10km klappen ganz gut. Das braucht am Anfang Konzentration beim Laufen, weil wir den Fersenlauf so drin haben, ist aber machbar.
    Grüße aus (derzeit) Langeoog 😉

    • Herr Pfarrfrau

      Das klingt wirklich sehr ähnlich! Ich laufe auch nur noch auf dem Vorderfuß und seitdem ist auch vieles besser geworden. Die Newton helfen mir dabei und das Laufen fühlt sich natürlicher ab.

      Bist du auch letztens beim LionsLauf auf Langeoog mitgelaufen?

      • Der Lions-Lauf war schon bevor wir vor 14 Tagen anreisten. Aber Läufe sind nicht so meine Sache, ich laufe lieber ganz in Ruhe im eigenen Tempo, gerade auch wegen der Gehpausen.
        Hier ist die aktuelle Runde, die ich etwa alle 2 Tage laufe: https://twitter.com/kdoerfner/status/894651641055637505

        • Am Ende denk ich

          Beim Lauf bin ich auch mit Gehpausen gelaufen und es gab sogar noch mindestens einen weiteren Läufer, der das auch so machte. Letztendlich geht es natürlich vor allem darum Spaß zu haben!

  2. Witzig, wollte demnächst auch einen Blogpost über meine neu gewonnene Laufroutine schreiben. Scheint, als wäre das ein Problem, was nicht nur vereinzelt vorkommt. Ich hab auch ständig angefangen, wieder aufgefeben…
    Noch dazu hatte ich auch immer Schmerzen in den Füßen und in den Knien. Vor ein paar Monaten wollte ich aber auch wieder anfangen, weil‘s mir eigentlich auch immer Spaß gemacht hat. Habe mir dann mal neue (richtige) Laufschuhe geholt und schon haben meine Füße nicht mehr wehgetan. Dann war nur noch das Problem mit den Knien, habe dann aber irgendwann festgestellt, dass meine Lauftechnik nicht ausgereift war. Ich hatte mich nicht gut genug selbst abgefedert und bin immer auf dem kompletten Fuß aufgetreten. Laufe auch fast nur noch komplett auf dem Vorderfuß. Vielleicht musst du dich auch mehr selbst abfedern, um Schmerzen in den Knien zu vermeiden…

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