Elternzeit oder wie ich einmal 29 Monate Zuhause sein werde

Wenn ihr diesen Text kurz nach seiner Veröffentlichung lest, dann sitze ich wohl gerade die letzten Stunden im kleinen Großraumbüro während meine Stimmungslage zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt schwankt. Meine Elternzeit naht. In wenigen Stunden ist es so weit. Fast vier Monate werde ich einzig und allein für das Baby da sein. Und für das Großkind. Vermutlich häufiger eher für das Großkind, als für das Baby. Das Großkind fordert sehr viel Aufmerksamkeit ein. Sehr sehr viel. Es ist ein ständiger Dialog, dem man nicht entkommt. 
Aber zurück zum Anfang. Und eigentlich zurück zu den vier Monaten. Denn eigentlich sind es keine vier Monate. Nach den vier Monaten folgen zwölf ganze Arbeitstage im November. Zwölf letzte Tage. Und dann? 25 Monate Elternzeit? 25 Monate Pfarrfrau? 25 Monate Hausmann? 25 Monate Vollzeitpapa. Ich müsste Lügen, wenn ich sagen würde, dass ich nicht auch ein wenig Angst vor dem habe, was jetzt kommt. Auch für das Großkind habe ich Elternzeit genommen. Neben den zwei Monaten (jaja, die typischen zwei Monate von Vätern…), folgten noch viele weitere Wochen, die zwar nicht alle zusammenhängend, aber doch intensiv waren. Insgesamt waren es wohl weitere drei bis vier Monate, in denen ich tagsüber für sie alleine zuständig war. 
Und jetzt kommen 4 + 25 Monate. Fast 2,5 Jahre. Allein die Zahl ist für mich noch so unvorstellbar. Aber auch die Herausforderungen, die auf mich zukommen werden, sind es ebenso. Un.vor.stell.bar. 
Schon jetzt, während der Elternzeit meiner Frau, geht Großkind durchschnittlich nur an drei Tagen in der Woche in den Kinderladen. Ab August, wenn meine Frau wieder arbeiten geht, wird sich daran bestimmt nicht viel ändern. Ich werde also schon bald nicht nur ein Kind zuhause betreuen, sondern immer wieder mal beide. Und dann, ab Januar 2016, steht ein komplett neues Abenteuer vor unserer Tür. Wir verlassen Berlin. Vermutlich – vielleicht – hoffentlich? – nur für einen Zeitraum von zwei Jahren. Wir werden unser Pfarrhaus irgendwo in Brandenburg beziehen und beide Kinder werden zuhause bleiben. So wie ich. Gemeinsam mit meiner Frau werden wir Pläne entwickeln, was ich tagein, tagaus mit den beiden Kindern machen werde, welche Projekte wir stemmen wollen, welche Touren wir absolvieren werden, welche Wälder erkunden und welche Wände im Pfarrhaus angemalt werden. Ich werde mir weitere Strategien ausdenken, was zu tun ist, wenn eine wütend ist und welche Eissorte am Besten hilft, wenn die Tränen kullern und zusätzlich zum Kuscheln auch Balsam für den Magen her muss. Ich will ihnen ermöglichen ihre Interessen und Talente zu fördern. Ich will für sie da sein. Ihnen Liebe schenken und vor allem die Zeit mit ihnen genießen.
Und wenn wir doch mal Sehnsucht nach Berlin, oder ich nach dem Büro, haben, dann setzen wir uns alle in den Zug und machen uns auf die Fahrt zurück. Zurück in unsere Heimat.

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