Der Schlüssel zu den Räumen und Träumen

Ihr kennt dieses Gefühl doch bestimmt auch, oder? Dieses Gefühl endlich den Blick hinter die Kulissen zu bekommen, der sonst nur wenigen vorbehalten ist. Das tolle als Pfarrfrau ist: ich kann endlich hinter die Kulissen der Kirchen gucken. Alle Gänge und Räume erkunden, die dem*der gewöhnlichen Kirchgänger*in sonst oft vorenthalten werden. Und ich muss es sagen: es ist oft noch toller, als gedacht!

Für „unsere“ Kirche jetzt hier auf dem „Lande“ haben wir natürlich den Schlüssel. Es ist nicht irgendein Schlüssel, sondern er ist genau so, wie man ihn sich vorstellt: groß und verdammt schwer. Als Mordwerkzeug wäre er garantiert auch zu gebrauchen. Dieser Schlüssel öffnet uns die Türen zu all den spannenden Räumen, die diese Kirche so zu bieten hat.

Ich habe ja letztens Mal schon geschrieben, dass wir bei der großen Party den Kirchturm bestiegen haben und auch die Zwischendecke erkunden konnten. Die Treppe rauf auf den Kirchturm knarzt, zwischen den Stufen kann man nach unten blicken und auch so manche Zwischenebene strotzt nur so vor Spalten. Der Aufstieg ist nichts für Leute mit Höhenangst. Die Bretter auf denen man läuft wirken nicht immer vertrauenserweckend, aber sie scheinen noch zu halten. Wenn man aber erst einmal die Spitze erreicht hat – oder zumindest so weit nach oben gekommen ist, wie es erlaubt ist, dann wird man mit einem wunderschönen Ausblick belohnt. Zu gerne würde ich euch den ja zeigen, aber ich schwanke hier noch immer damit, ob ich die Anonymität aufgeben soll oder nicht. Bislang lebt es sich in dieser ziemlich gut. Aber dieser Ausblick! Ihr würdet ihn lieben! Auf allen vier Seiten des Kirchturms kann man nach außen treten und wird für den Aufstieg belohnt. Und von dort oben wirkt die Stadt sehr viel belebter, als sie es in der Realität ist. Sie wirkt wie eine wundervolle Kleinstadt voller Leben und Orten, die es zu entdecken gibt und niedlichen kleinen Cafés mit selbstgebackenem Kuchen und leckerem Kaffee. So schön sollte es hier eigentlich sein. So malerisch ist es hier. Leider holt mich bei diesen Träumen immer die Realität ein. Und diese sagt hier viel zu oft: „Leider haben wir bis auf Weiteres geschlossen.“ / „Aus technischen Gründen haben wir geschlossen.“ Seitdem wir hier angekommen sind haben ein Buchladen (der Zweite, den es noch gibt, brauche ich leider nicht betreten, da es kaum Bücher gibt die bereit stehen – zufälliges Stöbern um etwas zu entdecken fällt flach, weshalb ich weiterhin telefonisch oder per Mail Bücher in unserer Berliner Kiezbuchhandlung bestelle, da an der mein Herz hängt), ein Café und ein Supermarkt geschlossen. Um mal über Cafés zu sprechen: wir haben derzeit genau 1,5 Cafés von denen ich weiß (Bäckereien wie z.B. die Filialen von Steinecke ausgenommen)! Im Sommer kommt noch ein weiteres dazu. Eine Auswahl, sie sie kleiner kaum sein könnte!

Der Schlüssel zur Kirche lässt mich also nicht nur die Räume entdecken, die da sind, sondern von denen träumen, die es nicht – mehr – gibt. Und jedes Mal blutet mir ein wenig das Herz.

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