Brandenburg anyone?

Wir haben noch zehn Monate. Zehn Monate in unseren eigenen vier Wänden. Danach ändert sich vieles. Oder alles?

Die folgenden Zeilen werden vermutlich ein leiden auf hohem Niveau im Vergleich zu dem Text, den ich kurz vor dem eigenen Schreiben gelesen habe. Aber das Thema umtreibt mich, umtreibt uns, seit einigen Monaten. 

Eine Veränderung steht an. Zum Januar nächsten Jahres werden wir als Familie unsere Wohnung verlassen. Und nicht nur unsere Wohnung, sondern unseren Kiez. Unsere dörfliche Gemeinschaft inmitten der Großstadt. Die Nähe zu vielen Freund*innen und der nahen Verwandtschaft. Meine Frau wird zum ersten mal in ihrem Leben in einer anderen Wohnung leben. Nach über 30 Jahren. Unser Großkind wird ihre Kinderladenfreund*innen aufgeben müssen. 

Kurz gesagt: wir fühlen uns nicht wohl mit diesem Gedanken. 

Uns bleibt aber auch keine andere Wahl. Nach dem Vikariat in dem meine Frau gerade ist kommt der Entsendungsdienst. Unsere Landeskirche legt fest, wohin man kommt. Man wird entsandt. Die ganze Weite Brandenburgs steht uns offen. Für manche klingt das verlockend, für uns eher abschreckend. Ja, man kann auch eine Stelle in Berlin erwischen, aber man hat kaum ein Mitspracherecht. Zumindest nicht bei den Berliner Stellen. Wer sich da um eine Gemeinde bemüht, landet garantiert nicht dort. Sich die Butter vom Brot nehmen lassen, darauf steht die Landeskirche nicht so sehr. 

Für Brandenburg sieht das ein wenig anders aus. Die vakanten Stellen sind nicht so beliebt. Man kann sich also im voraus mit der*dem örtlichen Superindentend*in treffen und bei Gefallen aneinander würden diese dann genau die eine Person für die vakante Stelle anfordern. Es gibt auch hier keine 100%ige Garantie, dass es wirklich klappt, aber je tiefer im Nirgendwo Brandenburgs man sich aufhält, desto wahrscheinlicher ist es, dass es klappt.

Und obwohl wir uns mit dem Gedanken an Brandenburg nicht wohl finden, werden wir uns trotzdem demnächst so eine Stelle anschauen. Möglicherweise ist es auch eine Stelle, die nicht ganz so unattraktiv ist. Immerhin ist auch die Verbindung in unsere Heimat gut. So kann man schnell zurück fahren, falls die Sehnsucht ganz groß ist, oder auch schnell Besuch empfangen.

Was sich auch ändern würde, für den Fall, dass wir nach Brandenburg gehen: ich würde nicht mehr arbeiten gehen (außer von zuhause aus vielleicht ein wenig weiter freiberuflich meine Layoutdienste anbieten), sondern würde beide Kinder zuhause betreuen. Die Vorstellung in einem großen Pfarrhaus mit Garten jede Menge Platz zum Toben, Experimentieren, Malen, Basteln, Kochen und Hämmern zu haben, ist durchaus sehr reizvoll. Noch schöner wäre es, wenn meine Frau auch nicht arbeiten müsste und wir könnten zu viert zuhause sein. Das wäre ideal.

Und: nach 2 Jahren ist der Entsendungsdienst vorbei und wir könnten wieder zurück in die große Stadt. Nicht wir könnten, sondern wir würden dann zurück gehen. Denn da unschooling in Deutschland nicht geht, würden wir Großkind immerhin in die freieste Schule bringen wollen, die wir hier so vorfinden. Ähnliches gibt es in Brandenburg nicht.

 

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