Das tolle an den „Phasen“

Wir machen gerade eine schwierige Zeit durch. Kind 1.0 (2,5 Jahre alt) ist im Wachstumsschub. Zumindest hoffe ich, dass es einer ist. Wachstumsschübe zeichnen sich bei ihr dadurch aus, dass sie alle 10 min auf dem Boden liegt und nölt. Will man mit ihr ins Gespräch gehen: Nölen. Will man sie bitten etwas zu machen: Nölen. Will man sie hochheben: Nölen. Will man in Richtung A, geht sie auf jeden fall in die andere Richtung.

Eltern kennen solche Situationen. Und irgendwie, aus irgendeinem unerfindlichen Grund, liebe ich es. Es ist nicht immer leicht, es kostet viel Kraft und Energie, selbst für einfachste Alltagsaufgaben, aber es ist ein so wundervolles Signal: Papa, ich bin ein eigenständiger Mensch. Ich habe einen eigenen Willen. Ich mache Dinge, die dir nicht gefallen, aber auf die ich jetzt, genau in diesem Moment, Lust habe. Versuche gar nicht erst von mir etwas anderes zu verlangen.

Es so zu sehen (oder es in ihr Verhalten hinein zu interpretieren…), hilft in den Situationen ruhig zu bleiben. Es gelingt mir nicht immer, aber meistens. Auch mein Geduldsfaden hat ein Ende, vor allem wenn Termine oder Verpflichtungen rufen. Aber im Großen und Ganzen lässt einen das Verständnis für dieses kleine, aber immer größer werdende, Kind die Situation leichter ertragen.

Vielleicht ist all das gerade auch keine kurz anhaltende Phase, sondern eine längere, gerne auch „Trotzphase“ genannte Zeit? Ich stoße mich aber schon alleine an der Bezeichnung dieser Phase. Trotz? Was soll das sein? „Ich mache jetzt nur etwas anders, weil du das genaue Gegenteil dessen willst?“ Verhalten sich so nicht erst Kinder im Teenageralter? 😉 Bis wir dort angekommen sind, ist es aber noch ein weiter Weg.

Zunächst freue ich mich auf die nächsten Jahre. Ich freue mich auf ihre Selbstständigkeit. Ich freue mich auf die vielen Widersprüche, die ich noch von ihr ernten werde. Und insgeheim freue ich mich auf die Momente, in denen ich, ob ihrer Selbstständigkeit, verzweifele. Denn das sind die Momente, in denen ich auch mein eigenes Verhalten, meine eigenen Wünsche, meine eigenen Forderungen, hinterfrage. Denn das ist es, was man von Kindern am allermeisten lernt. Sich selbst zu hinterfragen, sich mit sich selbst auseinander zu setzen.

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