Priorität: Smartphone und sonst nichts.

Das Smartphone und die Flüchtlinge ist ein gern genommener Aufhänger bei allen Asylkritiker*innen/Ausländerhasser*innen. „Wie können die sich so etwas leisten?“ Alles eine Frage der Prioritäten, würde ich sagen. Oft schon wurde dem entgegengesetzt, dass ein Smartphone natürlich eine der einzigen Möglichkeiten ist mit der Heimat in Kontakt zu bleiben. Das Web lässt uns die Nähe zu unseren Liebsten erhalten, selbst wenn wir hunderte oder sogar tausende Kilometer weit entfernt von ihnen sind.

Prioritäten setzen die Menschen ganz unterschiedlich. Dem einen ist es wichtig sich gut zu kleiden, andere haben gerne ein großes und teures Auto, andere investieren gerne in Kultur oder in eine große Wohnung. Manche Menschen verdienen so viel Geld, dass sie sich von vielem das „Beste“ (oder auch teuerste) leisten können. Andere haben weniger Geld zur Verfügung und müssen sich überlegen, in was sie ihr weniges Geld investieren. Und hier kommt es dann oft zu einem Problem in der Wahrnehmung: Smartphones werden als Luxusgut angesehen, dabei sind sie es nicht. Es gibt Smartphones schon ab 50 Euro. Aber natürlich kann man auch 1.000 Euro investieren. Und viele Smartphones liegen preislich dazwischen. Das Problem vieler Leute ist, dass sie nicht unterscheiden können, ob das Smartphone, dass jemand hat ein teures ist oder nicht. Ein großes Display bedeutet nicht, dass es luxuriös und teuer ist. Samsung produziert Smartphones in allen Preisklassen. Einzig beim iPhone kann man – mit Vorsicht – davon sprechen, dass es in der Regel eine etwas teurere Investition ist.

Aber hier kommen wir wieder zum Punkt „Prioritäten“. Und hier kommen wir zu mir: ich habe jahrelang studiert, aber arbeite seit Jahren in einem Arbeitsverhältnis, in dem ich viel Luxus habe (sehr freie Zeiteinteilung), aber insgesamt wenig verdiene. 800€ im Monat bekomme ich auf mein Konto überwiesen. Ein Witz für viele. Etwas, von dem man sich nicht viel leisten kann. Was ich mir aber dann gerne leiste ist das iPhone. Es ist mein Luxus. Es ist aber auch fast der einzige Luxus, den ich mir leisten kann. Außenstehende sehen dann aber das iPhone, dass ich habe und denken möglicherweise, dass es doch absurd ist, wie ich mir so viel Luxus leisten kann von diesem einen Job den ich habe und bei dem sie wissen, dass ich nicht ewig viel verdiene. Manche finden es ungerecht, dass sie sehr viel mehr arbeiten gehen und sich kein iPhone leisten können oder wollen. Sie sparen, sie investieren in Lebensversicherungen oder sie kaufen sich neue Kleidung. Was sie nicht sehen: außerhalb des iPhones leiste ich mir fast nichts, außer guten Kaffee und Lebensmittel. Seit über einem Jahr habe ich mir kein Kleidungsstück mehr gekauft (Socken und Unterwäsche einmal ausgenommen, sowie ein paar Schuhe, nachdem die anderen kaputt gingen – und ich verfüge nun wieder über zwei paar Schuhe). Keins. Ich kann es mir nicht leisten. Ich will es mir nicht leisten. Prioritäten eben. Gesehen wird aber nur das iPhone. „Wer sich ein iPhone leisten kann, dem kann es nicht schlecht gehen.“ Aber richtig gut und viel anderen Luxus hat man damit trotzdem nicht.

Die Priorität der Flüchtlinge ist der Kontakt zur Heimat. Ich kann ihnen also nicht verdenken, dass sie ein Smartphone haben.

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