Freiheit

Wir war am letzten Wochenende zu einer Taufe in Pankow eingeladen. Vom Gottesdienst habe ich dann aber leider doch wenig mitbekommen. Nicht nur kamen wir 20 Minuten zu spät: das Töchterchen schlief länger als üblich. Auch zu Beginn der Predigt durfte ich auch wieder aus dem Kirchenschiff in einen Vorraum der Kirche gehen, da es meine Tochter nicht mehr auf der Kirchenbank hielt (wen wundert das schon?).
Im Vorraum wurde ich aber gleich überrascht: hier war nicht nur eine Spielecke (!), auch wurde die Predigt des Pfarrers mit Boxen übertragen. Zwar habe ich die Predigt dann trotzdem nicht hören können (Kinder sind aber auch laut..), jedoch liegt nach den Gottesdiensten die Predigt immer aus und man kann sie sich mitnehmen. Auch das bin ich nicht gewohnt. Die Predigt musste ich mir dann natürlich noch durchlesen Und sie hat mich überrascht! Es war die erste Predigt, die ich gehört habe und als politische Predigt bezeichnen würde. Wo viele Predigten sich in politischer Hinsicht höchstens mit Armut (in der „dritten“ Welt, aber auch vor Ort) beschäftigen, so hatte die gestrige Predigt einen anderen Schwerpunkt:

FREIHEIT.

Und gleich zum Auftakt fielen die Worte Datenüberwachung und Terrorismusabwehr. Ich hätte alles erwartet, aber nicht diesen Auftakt in eine Predigt. Es ging weiter mit einer Kritik am französischen Innenminister, der Sinti und Roma am liebsten sofort wieder „nach Hause“ schicken würde.
Die Botschaft der Predigt war, dass Freiheit nur existieren kann, wenn es Grenzen in Form von Regeln gibt. Die 10 Gebote sind als Regeln eingeführt worden, die die Freiheit der Juden nach deren Befreiung aus Ägypten sichern sollte. Durch die Einhaltung dieser Regeln sollte die Freiheit bewahrt bleiben.

Natürlich habe ich mich dann gefragt, ob die Botschaft bei der Gemeinde ankam. Ich denke, dass bei der Interpretation der schmale Grat zu wahren ist zwischen zu vielen Regeln (führt eine Vorratsdatenspeicherung, die sicherlich im Zuge der nächsten vier Regierungsjahre mit CDU-Beteiligung kommen wird, zu mehr Sicherheit?) und zu wenigen. Ein Mindestmaß an Regeln ist für ein friedliches Zusammenleben unabdingbar. Und hier ist der Punkt bei dem ich denke, dass die 10 Gebote ein guter Wegweiser sind. Nicht nur in ihrem Umfang – sie passen garantiert auf einen Bierdeckel – sondern auch in ihrer Botschaft. Schaut man sich das Gebot „Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!“ an, dann lassen sich diese Götter, so wie es auch der Pfarrer machte, auf verschiedene Ebenen transformieren: Konsum, Geld, Macht.

Davon wegzukommen, diesen Göttern zu folgen, und sich wieder auf das zu besinnen was wirklich wichtig ist: sich um seine Mitmenschen zu kümmern und ihre Bedürfnisse wahrzunehmen (das Bereitstellen einer Spielecke im Vorraum ist auch so etwas!) und auch sich seiner eigenen Rolle in und mit der Umwelt und Natur bewusst zu sein. Das garantiert die eigene Freiheit.

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